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Vielfalt des Feminismus
Von Kerstin Kellermann

"Frau Kellermann wollte mich zu einem Tribunal einladen", behauptete kürzlich die "Profil"-Kolumnistin Elfriede Hammerl gegenüber dem Ehemann von Carla Amina Baghajati von der Initiative Islamischer ÖsterreicherInnen. Bin ich berühmt? Gefährde ich eine international anerkannte Journalistin mit meiner Version des Feminismus? Die "Bunte Zeitung" hatte zwei Ausgaben zu und mit muslimischen Migrantinnen heraus gebracht. Nun war eine Diskussionsveranstaltung mit verschiedenen Frauen zu den Positionen muslimischer Migrantinnen und zur leidigen "Kopftuchfrage" vom Team der "Bunten Zeitung" geplant, wobei Frau Hammerl (die sich ursprünglich zu einer "Diskussionsrunde" selbst angeboten hatte) gefragt wurde, wen sie noch gerne zu ihrer Unterstützung dabei hätte. Sie hatte die "Bunte Zeitung" in die Nähe des Islamismus gestellt, nachdem diese Beiträge von muslimischen Frauen (mit und ohne Kopftuch.Š) veröffentlicht und so neue migrantische Positionen gebracht hatte. Diese Ausgabe von 10.000 Stück war in drei Wochen ausverkauft, so groß war das Interesse der Bevölkerung.
Elfriede Hammerl hatte für ihre Kolumne Zitate aus der "Bunten Zeitung" heraus gefischt und seltsame Verbindungen zum Katholizismus hergestellt. Gefährlich waren ihre Assoziationen auch für die "bunten" KolporteurInnen, die zur Hälfte muslimisch, zur Hälfte christlich sind und auf der Straße ungeschützt Aggressionen ausgesetzt.
Die Ethnologin Sabine Strasser, die ebenfalls in das Visier der feministischen Autorin geraten war, wäre interessiert gewesen, an unserer Veranstaltung teilzunehmen. Hammerls Ausdruck "Tribunal" zeigt auf jeden Fall, wie sie selbst Diskussionen einschätzt, die nicht unbedingt nur ihre Meinung widerspiegeln. Gegenüber der "Bunten Zeitung" sagte sie die Teilnahme an der Diskussion ab - wegen eines im "Profil" veröffentlichten Leserinnenbriefes von Leyla Arzu Kececi, Mitarbeiterin der "Bunten Zeitung". Ein Witz, denn Leyla wurde namen-tlich erwähnt und hat doch wohl das Recht, einen Leserinnenbrief zu verfassen.
Ein "Profil" weiter distanzierte sich Chefredakteur Christian Rainer von weiblichen und männlichen FeministInnen seines eigenenen Blattes, die eine Beschränkung des öffentlichen Schleiertragens fordern. Mit verschiedenen Feminismen scheint Rainer wirklich nicht vertraut zu sein, denn sonst hätte er vielleicht noch andere Feministinnen erwähnt, die sich mit Migrantinnen solidarisieren, gerade wenn diese gesellschaftlich unter Druck kommen und auf der Straße als "Frau eines Terroristen" beschimpft werden.
Unterschiedliche Begriffe von "Feminismus" geistern durch das "Profil": Elfriede Hammerl denkt, der Feminismus ihrer Generation sei der einzig wahre. Die Feministinnen der "Muttergeneration" setzten sich aber nur sehr wenig mit Frauen aus anderen Ländern auseinander und wenn, dann nur in der mitleidigen Position der "Helfenden" und sie waren nicht selbstverständlich mit dem zeitgenössischen Gewusel an Mädchen und Frauen verschiedenster Herkunft vertraut. Nicht erst seit ein paar Jährchen, sondern seit über zwanzig Jahren kritisieren "Women of Color" und Konsortinnen diesen Weißen, paternalistischen Feminismus. Peinlich dann, wenn Hammerl anderen Frauen den Feminismus abspricht. Peinlich aber auch, wenn sich ein Chefredakteur öffentlich von seiner einzigen feministischen Journalistin distanzieren muss. Und oberpeinlich der dreiseitige Artikel von Doris Knecht, in dem sie "den Feminismus" an ihren eigenen Vorstellungen misst und sich wundert, dass sie auf MTV so wenig findet und sich mokiert, dass sogar Madonna älter geworden ist. Früher belächelte sie die "schlechten Frisuren" von Feministinnen, ahnungslos, dass sie ihre Position den vereinten Kräften von Frauen verdankt, die die Position der Frauen und Mädchen im öffentlichen Raum verbesserten.
Edith Meinhard, die die Vergewaltigung einer Kamerunerin im Flüchtlingslager Traiskirchen an die Öffentlichkeit brach- te, scheint inhaltlich stark am Feminismus interessiert zu sein - traut sich aber leider stilistisch nicht, in die Offensive zu gehen. Schade, denn dem "Profil" täten ein paar "antifeministische Reflexe" (Sven Gächter) weniger wirklich gut! Nett, wenn sich schon Chefredakteure des Feminismus annehmen. Anscheinend spüren sie die Lücke bereits selber - feministische Inhalte brauchen mehr Platz und Vielfalt in Mainstream-Medien.

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