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Lächeln für Österreich
Von Verena Fabris

Ein Mensch ist sie und ein Mensch will sie bleiben. Eine Frau ist sie und als solche will sie ein Vorbild sein für all die "berufstätigen Frauen, die haben wollen, dass es auch eine Frau einmal schafft". Natürlich ist es ein gutes Wahlkampfargument, dass die Zeit reif sei für eine Frau als Bundespräsidentin. Natürlich sähe auch ich gerne eine Frau als Bundespräsidentin und eine Frau als Bundeskanzlerin und überhaupt mehr Frauen in höheren Positionen in Politik und Wirtschaft. Doch welches Vorbild könnte die immer lächelnde Außenministerin darstellen?
Ferrero-Waldner gilt als Erfindung Schüssels. Auch innerhalb der ÖVP wird sie als Schüssel-Frau gesehen, die dem Kanzler mit Herz und Seele verbunden ist. Ähnlich wie bei der ehemaligen Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer, die unter Haiders Fittichen stand, steht also auch hinter der Außenministerin ein Mann. Ob sie sich als Bundespräsidentin von ihrem ehemaligen Chef abgrenzen könnte, ist mehr als fraglich. Da hilft es auch nicht, wenn Ferrero-Waldner betont, weder mit dem Kanzler noch mit ihrem Ehemann (sic!) über ihre mögliche Kandidatur gesprochen zu haben.
"Frau sein alleine ist kein Programm" lautet ein bekannter Ausspruch von Ingrid Strobl. Ferrero-Waldner ist bisher jedenfalls mit frauenpolitischem Engagement noch nicht aufgefallen. Außer in Bezug auf die Rolle von Frauen in Afghanistan, wo sie sich dafür aussprach, dass "Frauen eine wichtige Rolle im Wiederaufbauprozess" zugesprochen bekommen, gibt es von ihr kaum Aussagen zu frauenpolitischen Themen. Nun betont sie allerorten, dass sie eine Frau sei: "Ich bin angetreten, um als erste Frau das höchste Amt im Staate anvertraut zu erhalten." Als weibliche Aufgabe sieht sie es zu vermitteln und diese Aufgabe will sie denn auch als Bundespräsidentin wahrnehmen. Das Zusammenwirken habe man als Frau irgendwie erlernt - in der Familie. Es sei eben die Frau, die die Familie zusammenhält. Und Ferrero-Waldners Familie sei Österreich.
In einer Pressestunde sagte Benita Ferrero-Waldner: "Ich bin neben Ministerin auch Ehefrau und darum Hausfrau." In der Pressestunde am 18. Jänner darauf angesprochen, antwortete sie, es sei selbstverständlich, dass sie ein bisschen Haushalt führe. Dabei würde sie eine Zugehfrau drei Mal in der Woche unterstützen. Sie sei sich sicher, dass die meisten Österreicherinnen es sich wünschten, Beruf und Familie zu vereinen. Dass die meisten Österreicherinnen sich keine "Zugehfrau" leisten können, die ihnen dreimal die Woche im Haushalt hilft, hat die stets in chice Kostüme gekleidete Außenministerin dabei wohl vergessen.
Sie sei froh, dass sie ihren Mann habe, denn er habe sie immer unterstützt, verrät Benita in ihrem "weblog". Rechtzeitig vor Bekanntgabe ihrer Kandidatur als Bundespräsidentin hat sie den spanischen Literaturwissenschafter nach Annullierung ihrer ersten Ehe nun auch kirchlich geheiratet. Sie sei nun mal praktizierende Katholikin. Was die Ehe betrifft, vertrete sie überhaupt die Position der Kirche, weshalb sie auch einer "Homosexuellen-Ehe" nichts abgewinnen kann. Hatte sie am Tag davor im Ö1-Interview noch gar keine Meinung zu dieser Frage ("Sie werden mir zugestehen, dass ich nicht überall einen Kommentar abgeben muss."), gab sie dies in der Pressestunde bekannt. Natürlich nicht ohne zu betonen, dass sie gegen Diskriminierung und Ausgrenzung sei. Was die Verweigerung der Ehe für Homosexuelle anderes darstelle als Diskriminierung, konnte sie nicht beantworten.
Auch sonst fällt die Außenministerin des öfteren unangenehm auf. Manche werden sich noch an Genua und an die Verhaftung einiger Mitglieder der Volxtheater-Karawane erinnern. Damals hat sich die Außenministerin durch ihre Aussage disqualifiziert, dass einige der Verhafteten schon in Österreich durch Störung der öffentlichen Ordnung und Hausbesetzungen aufgefallen seien und sich deshalb nicht wundern müssten. Schließlich dürfe sich auch ein Bankräuber mit Spielzeugpistole nicht wundern, wenn er verhaftet würde. Alles in allem: Ferrero-Waldner hat weder aufgrund ihres frauenpolitischen Engagements, noch aufgrund ihrer sonstigen Performance die Stimme von feministischen Frauen verdient. Auch auf die Gefahr hin, dass dann mit Heinz Fischer wieder einer der alten Herren das Rennen macht.

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