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Des Volkes Stimme
von Daniela Fohn
In Deutschland wurde gewählt und wir sind gespannt, wer nun künftig regieren wird. Die biedere Angela Merkel, der Platzhirsch Gerhard Schröder? Gibt es eine Bananen-, Jamaika-, oder Ampelkoalition? Wird sich doch das verhasste, aber rechnerisch am einfachsten mögliche großkoalitionäre Dual-Modell durchsetzen? Gibt es bald wieder Neuwahlen? Die Zeitungen überschlagen sich mit Prognosen, Vermutungen und simplen Wahlanalysen. |
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Aber warum ist diese Wahl für uns hier in Österreich eigentlich so wichtig? Vermutlich weil wir so gerne einen politischen Trendverlauf für die nächsten Jahre des Großeuropa-Projekts EU interpretieren wollen. Deutschland als eines der größten Länder im neuen Europa als Tonangeber. Ich habe mir ein paar Interviews und Diskussionsrunden auf verschiedenen deutschen Sendern angesehen und muss sagen, mir wird langsam fad.
Was interessiert es uns eigentlich, wenn Gysi dazu gewonnen hat, Merkel und Schröder um den BundeskanzlerInnenposten streiten? Was nutzt es all den Ländern in der Europäischen Gemeinschaft tatsächlich zu wissen, ob Deutschland sich nun auch dem Rechtsruck, der ja schon seit einigen Jahren die EU-Länder durchzieht, beugt, oder eben doch nicht? Leben müssen wir ja doch, trotz Brüssel, in unseren eigenen Ländern und da ist es in Österreich nun mal politisch gesehen derzeit recht trostlos.
Rein rechnerisch gesehen haben sich die Deutschen entschieden, dass sie weder von Rot noch von Schwarz allein regiert werden möchten. Und von Grün eigentlich gar nicht - oder halt doch. Entscheidungsschwäche der WählerInnen.
So wie die ÖsterreicherInnen, die Schwarz und Rot auch gerne Kopf an Kopf laufen lassen; keineR will aber eine große Koalition und dann kommt die mittlerweile orange gefärbte, rechte Hurrapartei und "erfreut" das Land mit ihren peinlichen Auftritten und MinisterInnenrochaden, obwohl sie bei jeder Wahl weiter Stimmen verliert. Wozu gehen wir eigentlich noch wählen?
Nächste Etappenziele im heimischen Politdschungel sind die Steirischen Landtagswahlen Anfang, die Burgenlandwahl Mitte und die Wiener Gemeinderatswahlen Ende Oktober. Und während die Wiener ÖVP auf ihren Wahlplakaten der Wiener SPÖ die alleinige Schuld an überteuerten Kindergartenplätzen, dem alltäglichen Verkehrswahnsinn, sowie der angeblich so mangelnden Sicherheit in Wien zuschiebt, hat die KPÖ in ihrer Wahlkampfstrategie die Bundeshauptstadt überhaupt gleich für sich vereinnahmt. "Die Stadt gehört uns (allen)", belehrt der Slogan unterstützt durch lustige Cartoons. Aber die Wiener KPÖ geht in letzter Zeit ohnedies eigenwillige Wege - und zwar nicht nur in Favoriten ...
Neulich, am traditionellen Volksstimmefest der KPÖ im Wiener Prater, auf dem die an.schläge wie jedes Jahr mit einem Stand vertreten waren, gab es viel zu staunen. Bier- und Kebab-Preise wie in der Wiener Innenstadt und das auf einem sozialistischen Familienfest, das doch auch gleichzeitig der Wahlwerbung dienen sollte. Wenigstens der Kasperl für die Kleinen war gratis. Von den OrganisatorInnen heuer auch neu ausgedacht, ein eigenes "Frauendorf" um, so meine Vermutung, die sonst auf dem Festgelände verstreuten Frauenorganisationen diesmal an einem Ort zusammenzuführen (aus welchen Gründen auch immer).
Als wir mit unseren tausend Sachen an diesem heißen Septembertag nach einem ungläubigen Erkundungsmarsch endlich bekannte Gesichter entdeckten, standen wir vor einem niedlichen, einsamen Zelt, direkt vor den Pforten der öffentlichen Toiletten.
Vielleicht war ja die pragmatische Feststellung, dass Frauen kleinere Blasen und kürzere Harnleiter als Männer haben Hintergrund dieser Standplatzzuweisung durch die Organisationsleitung, um uns einen weiten Klo-Weg zu ersparen? (Zum Ausgleich dafür mussten sie höhere Klopreise als die männlichen Festbesucher zahlen ...) Vielleicht stand auch der Gedanke im Vordergrund, dass Klos einfach eine große Anziehung auf trinkende und essende Menschen ausüben und somit auch die dörfliche Ein-Zelt-Frauengemeinde von den Menschentrauben profitieren würde.
Der an.schläge-Tisch, einer von insgesamt zweien für uns alle (der kommunistische Gedanke?), bot den BesucherInnen zumindest die abwechslungsreiche Möglichkeit, die Klo-Wartezeit mit dem Durchblättern feministischer Seiten zu verkürzen. Vielleicht hatte der eine oder die andere ja eine unverhofft emanzipatorische Sternstunde, bevor es zur Erleichterung der Blase ging.
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